Donnerstag, 22. Oktober 2015
Nicholas Drayson - Kleine Vogelkunde Ostafrikas
Originaltitel: A Guide to the Birds of East Africa
Übersetzer: Sabine Maier-Längsfeld
Zum Autor:
"Nicholas Drayson wurde 1954 in Engalnd geboren. Er lebt seit vielen Jahren in Australien, wo er als Schriftsteller und Naturforscher arbeitet. Für seinen Essay "Strictly für the Birds" gewann er 2003 den WildCare Tasmania Nature Writing Prize. Das National Museum of Australia berät er in Sachen Schabeltiere"
Quelle: rororo-Verlag
Hätte ich zuerst diese Angaben zum Autor gelesen, hätte ich das Buch wohl allein schon deswegen gekauft. Ein Fachmann für Schnabeltiere? Wie genial ist das denn!
Doch glücklicherweise ist das Buch auch ohne das Wissen um den Schnabeltierexperten in meinen Besitz gewandert. Und es ist wirklich ein zauberhaftes kleines Büchlein.
Mr Malik ist Anfang 60, etwas schüchtern und heimlich verliebt in Rose Mbikwa. Jeden Dienstag Vormittag leitet Rose eine Vogelwanderung und natürlich ist Malik ein regelmäßiger Teilnehmer dieser Veranstaltung. Um ihr endlich näher zu kommen, beschließt er, sie zum alljährlichen Ball des Nairobi Huntclub einzuladen. Doch dann taucht Harry Khan auf, ein charmanter Frauenheld, der schon zu Schulzeiten Maliks Rivale war, und natürlich fällt auch dessen Blick auf Rose. Um es nun der holden Dame zu ersparen, einen der beiden abweisen zu müssen, beschließen die Herren zunächst unter sich auszumachen, wer Rose einladen darf. Eine Woche lang sollen beide losziehen und so viele Vogelarten wie möglich identifizieren. Dabei muss pünktlich jeden Abend vor versammelter Manschaft ein Tagesbericht abgegeben werden, um den Punktestand zu ermitteln.
Ein besonders hübscher Einfall ist, dass jeder Kapitelanfang mit der Tuschezeichnung eines anderen Vogels geschmückt ist.
Berichtet wird die Geschichte von einem namenlosen aber sympatischen Erzähler, der das Geschehen immer wieder kommentiert, sich dabei direkt an den Leser wendet, und auch mal zu eigenen Anekdoten abschweift. Dabei berichtet er über Land und Leute im Allgemeinen genauso wie über die Figuren dieser Geschichte und schafft eine sehr lebendige Atmosphäre.
Die Figuren sind herrlich schrullig. Zum einen wäre da natürlich Malik. Der zurückhaltende, unauffällige, tadellose und grundehrliche Malik, der seit drei Jahren Rose aus der Ferne bewundert. Und der im Laufe der Geschichte doch noch so einige überraschende Facetten zu bieten hat. Doch hätte er sich wohl nicht in eine derartige Wette verwickeln lassen, gäbe es da nicht das Trio Infernale: Patel, Gopez und den Tiger. Die Drei schaffen es, über die absurdesten Ideen zu diskutieren und gehen leidenschaftlich gerne Wetten ein, wobei sie bezüglich der Formalien einen feierlichen Ernst an den Tag legen.
Von mir gibt es jedenfalls eine klare Leseempfehlung.
Montag, 28. September 2015
Patrick O'Brian - Hafen des Unglücks
Originaltitel: The Reverse of the Medal
Übersetzer: Matthias Jendis
2. Feindliche Segel
3. Duell vor Sumatra
4. Geheimauftrag Mauritius
5. Sturm in der Antarktis
6. Kanonen auf hoher See
7. Verfolgung im Nebel
8. Die Insel des Paschas
9. Gefahr im Roten Meer
10. Manöver um Feuerland
11. Hafen des Unglücks
12. Sieg der Freibeuter
13. Tödliches Riff
14. Anker vor Australien
15. Insel der Vulkane
16. Gefährliche See vor Kap Hoorn
17. Der Triumph des Kommodore
18. Der gelbe Admiral
19. Mission im Mittelmeer
20. Der Lohn der Navy
21. Der unvollendete Band 21
Das Buch schließt nahtlos an den Vorgängerband an. Nachdem die Verfolgung der Norfolk beendet ist gibt es jetzt einen Zwischenstop in Bridgetown, bevor es dann zurück nach London geht. Die Ankunft in Bridgetown ist ziemlich genial geschrieben. Während die Surprise mit einem gewagten (böse Stimmen würden sagen angeberischem) Manöver in den Hafen einläuft wird sie von mehreren Stellen beobachtet und verschiedene Figuren geben ihre Meinung zu Schiff, Besatzung und Kapitän ab - mehr oder weniger wohlwollend... besonders der Wortwechsel bzw. die Belehrungen von Captain Gool an seine frisch Angetraute und deren Kommentare sind herrlich.
Doch leider hatte ich danach erst mal einen kleinen Hänger. Es passiert zwar Einiges, so muss Jack äußerst widerwillig an einem Kriegsgericht teilnehmen und Stephen hat Patienten zu versorgen, doch gibt es die ganze Zeit über eine deutliche Distanz zum Geschehen. Als Leser bekomme ich immer nur berichtet, was gerade anderswo passiert ist, bin aber währenddessen nicht dabei. Die Figuren sind glücklicherweise in ihren Eigenheiten gewohnt charmant gezeichnet. Und eigentlich mag ich die Beschreibungen des ganz normalen Altagslebens sehr, aber hier hat sich der rote Faden der Geschichte vielleicht etwas zu lange getarnt. Denn trotz einiger feiner kleiner Szenen war ich froh, als es dann vorwärts ging.
Die anschließende ewiglange Verfolgungsjagd auf dem Heimweg fand ich allerdings wirklich überflüssig. Sorry, aber es ist ja nicht so, dass so etwas in der Serie vorher noch nie beschrieben worden wäre. Das wirkt ein wenig so, als müsste irgendwie noch eine Seefahrerszene in diesen Band hineingequetscht werden, weil wir es hier ja schließlich mit einem maritimen Roman zu tun haben. Und wo kämen wir denn hin wenn nicht... blabla. Zur Geschichte hat sie rein gar nichts beigetragen.
Zurück in London (endlich!) wurde es dann aber wieder spannend. In diesem zweiten Romanteil steht Stephen und seine Geheimdiensttätigkeit im Mittelpunkt. Er muss feststellen, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben und außerdem scheint ein Verräter das System unterwandert zu haben. Und auch Jack braucht nicht lange, um in ernste Schwierigkeiten zu geraten. Denn so kompetent er in nautischen Belangen ist, so... naiv handelt er bezüglich finanzieller Dinge.
Alles in allem hat mir dieser Band leider nur mittelprächtig gut gefallen. Die zweite Hälfte reißt zwar einiges wieder heraus (und die Hausputzszene bekommt einen dicken Extrapunkt), aber es ist nicht unbedingt mein Lieblingsbuch aus dieser Reihe.
Dienstag, 22. September 2015
Buchige Urlaubsmitbringsel
Sommerzeit ist Urlaubszeit ist Lesezeit
Alle Schicksalsgötter haben zusammengearbeitet und daher hatten Mia (= beste Freundin von Welt) und ich ohne dies abgestimmt zu haben gemeinsam Urlaub. Whaaa, das klappt für gewöhnlich trotz penibelster Planung nicht und musste daher unbedingt für einen kleinen Tripp genutzt werden. Also schnell am Samstag Abend die Wetterkarten der Küsten studiert - dicke, fette Sonnen über der Ostseeküste, spätestens ab Dienstag - und via Telefonkonferenz ein Hotel ausgesucht. Nix wie hin.
Der Dienstag dämmerte dann sehr früh und sehr grau. Brrrr, kalter Regen am frühen Morgen vor dem ersten Kaffee ist echt ätzend. Aber nachdem alles Zeugs ins Auto verfrachtet war, der Tank voll, das Navi aufgeladen und genug CD's eingepackt, ging es endlich los Richtung Sonne. So war zumindest der Plan. Jetzt weiß ich, der Regen verfolgt mich. Überallhin. Da war es auch sehr passend, dass bei all der blind ausgewählten Musik direkt Lenny Kravitz jammerte "I love the Rain". Ich nicht. Danke Lenny.
Der Programmpunkt "im Strandkorb herumgammeln und lesen" musste leider ausfallen. Also nicht das Lesen an sich, aber die Strandkörbe waren doch eine recht feuchte Angelegenheit. Zum Spazierengehen gab es jedoch immer wieder Regenpausen. Und der Optik schadet das fallende Wasser auch nicht. Das Meer ist beeindruckend. Seid ihr schon mal bei einem richtigen Platzregen am Strand gewesen und habt das Meer beobachtet? Einfach herrlich. Das entschädigt schon fast wieder für die durchgeweichten Klamotten.
Ein Ausweichprogramm musste her. Geplant war zwar der Leseurlaub, aber die ganze Zeit über im Hotel zu verbringen geht mal gar nicht. Zum Glück geht Bücherkaufen auch bei schlechtem Wetter. Und beim Stöbern finden sich so allerlei kleine Läden. Wir haben so ziemlich jeden Laden in Kiel, Lübeck und Burg abgeklappert. Den Supermarkt im Nachbarort zu unserem Hotel haben wir zwar nie gefunden, aber dafür den dort gerade stattfindenden Bücherflohmarkt.
Ich finde ja, dass ich mich beim Einkaufen vorbildlich zurückgehalten habe *g*.
PS: Wenn ihr euch mal in Burg auf Fehmarn aufhaltet, macht unbedingt einen Zwischenstopp im Café Frau Schmidt. Der Doppelschokokuchen ist eine Offenbahrung.
Alle Schicksalsgötter haben zusammengearbeitet und daher hatten Mia (= beste Freundin von Welt) und ich ohne dies abgestimmt zu haben gemeinsam Urlaub. Whaaa, das klappt für gewöhnlich trotz penibelster Planung nicht und musste daher unbedingt für einen kleinen Tripp genutzt werden. Also schnell am Samstag Abend die Wetterkarten der Küsten studiert - dicke, fette Sonnen über der Ostseeküste, spätestens ab Dienstag - und via Telefonkonferenz ein Hotel ausgesucht. Nix wie hin.
Der Dienstag dämmerte dann sehr früh und sehr grau. Brrrr, kalter Regen am frühen Morgen vor dem ersten Kaffee ist echt ätzend. Aber nachdem alles Zeugs ins Auto verfrachtet war, der Tank voll, das Navi aufgeladen und genug CD's eingepackt, ging es endlich los Richtung Sonne. So war zumindest der Plan. Jetzt weiß ich, der Regen verfolgt mich. Überallhin. Da war es auch sehr passend, dass bei all der blind ausgewählten Musik direkt Lenny Kravitz jammerte "I love the Rain". Ich nicht. Danke Lenny.
Der Programmpunkt "im Strandkorb herumgammeln und lesen" musste leider ausfallen. Also nicht das Lesen an sich, aber die Strandkörbe waren doch eine recht feuchte Angelegenheit. Zum Spazierengehen gab es jedoch immer wieder Regenpausen. Und der Optik schadet das fallende Wasser auch nicht. Das Meer ist beeindruckend. Seid ihr schon mal bei einem richtigen Platzregen am Strand gewesen und habt das Meer beobachtet? Einfach herrlich. Das entschädigt schon fast wieder für die durchgeweichten Klamotten.
Ein Ausweichprogramm musste her. Geplant war zwar der Leseurlaub, aber die ganze Zeit über im Hotel zu verbringen geht mal gar nicht. Zum Glück geht Bücherkaufen auch bei schlechtem Wetter. Und beim Stöbern finden sich so allerlei kleine Läden. Wir haben so ziemlich jeden Laden in Kiel, Lübeck und Burg abgeklappert. Den Supermarkt im Nachbarort zu unserem Hotel haben wir zwar nie gefunden, aber dafür den dort gerade stattfindenden Bücherflohmarkt.
Ich finde ja, dass ich mich beim Einkaufen vorbildlich zurückgehalten habe *g*.
PS: Wenn ihr euch mal in Burg auf Fehmarn aufhaltet, macht unbedingt einen Zwischenstopp im Café Frau Schmidt. Der Doppelschokokuchen ist eine Offenbahrung.
Dienstag, 18. August 2015
Charlie N. Holmberg - Der Papiermagier
Teil 1: Der Papiermagier (OT: The Paper Magician)Teil 2: The Glass Magician
Teil 3: The Master Magician
Um den ersten Teil dieser Serie bin ich schon ziemlich lange herumscharwänzelt, einfach weil ich das Cover wunderschön finde. Dazu kommt, dass ich ja so einen kleinen Faible für im viktorianischen London angesiedelte Romane habe. Ganz besonders in Kombination mit Fantasyelementen. Und damit trifft diese Reihe genau in mein Beuteschema, denn die Story spielt in London, so um 1900 herum, und die Hauptfiguren sind Magier. Einige werden jetzt sicher die Nase rümpfen, weil das doch eine bereits sehr ausgelutschte Ausgangssituation ist. Aaaaber Holmberg bringt tatsächlich frischen Wind ins Spiel. Denn in der von ihr kreierten Welt gibt es ein sehr spezielles Magiesystem. Die Fähigkeiten der Figuren sind jeweils an ein bestimmtes, von Menschen hergestelltes Material gebunden. Magische Origamikünstler gefällig? Oder lieber ein Meister der Spiegel? Auch das erst kürzlich erfundene Plastik hat seine Verwender - wobei diese noch recht tief im Forschungsstadium stecken.Ceony Twill hatte schon immer den Wunsch, sich dem Medium Metall zu widmen. Doch als sie den schulischen Teil ihrer Ausbildung beendet hat kommt alles anders. Papiermagier sind derzeit rar und in der magischen Gesellschaft besteht die Befürchtung, diese Kunst könne in Vergessenheit geraten. So werden einige Absolventen, unter ihnen Ceony, mehr oder weniger gegen ihren Willen in diese Richtung gedrängt und Ceony beginnt eine Lehre bei dem Papiermagier Emery Thane. Auch wenn ihre Begeisterung anfangs nicht gerade Wellen schlägt muss sie sich schon bald ihre Faszination für das von ihr so ungeliebte Medium Papier eingestehen... und auch für den etwas schrulligen Thane.
Natürlich braucht eine solche Geschichte auch einen Fiesling, der die heile Welt der Figuren durcheinander wirbelt. Thanes Ex-Frau erfüllt diese Rolle mit Bravour. Und so muss Ceony im wörtlichen Sinne um Thanes Herz kämpfen.
Eigentlich hat mir die erste Hälfte des Romanes, auch wenn diese recht ruhig war, besser gefallen als der Action-Teil. Ich liebe einfach diese vielen kleinen, verspielten Ideen, wie zum Beispiel die Papierschneeflocken, die den Gefrierschrank bestücken oder die Papierblumen im Garten. Und natürlich Fennel, den Papierhund. In der zweiten Buchhälfte werden halt sehr viele Erinnerungsszenen aneinander gereiht. Die meisten davon sind zwar sicherlich wichtig, ein paar davon hätte ich aber lieber direkter in die Geschichte integriert gesehen. Aber zu viel will ich jetzt gar nicht jammern, denn insgesamt hat es mir ja gefallen.
Ich fand das Buch so gut, dass ich die anderen beiden Bände direkt hinterher geschoben habe. Und es hat sich gelohnt. Nach einem Teil-Schluss im ersten Band wird die Geschichte direkt fortgesetzt. Weitere Finsterlinge tauchen auf und wollen Ceony an den Kragen. Doch auch wenn sich diese vielleicht ein wenig arg schnell magisches Wissen aneignet ist sie nicht zu perfekt. Es bleibt immer noch genug Spielraum und in einigen Situationen müssen halt die Profis ran.
Ach ja, mit den drei Bänden ist die Reihe abgeschlossen.
Montag, 10. August 2015
Ben Winters - Der letzte Polizist
Lohnt es sich, ein Verbrechen aufzuklären, wenn morgen die Welt untergeht?
Band 1: Der letzte Polizist (OT: The Last Policeman)
Band 2: Countdown City
Band 3: World of Trouble
Übersetzer: Peter Robert
"Der letzte Polizist" ist zwar der erste Teil einer Trilogie, lässt sich aber auch ganz fabelhaft als Einzelbuch lesen.
In der Toilette einer MacDonalds-Filiale wird die Leiche eines Versicherungsangestellten gefunden, offenbar ein weiterer Selbstmord. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen ist Detective Henry Palace davon nicht überzeugt und beginnt, Ermittlungen anzustellen.
Problem: In sechs Monaten wird ein Asteroid die Erde zerstören. Die Gesellschaft geht rapide den Bach herunter und Selbstmorde kommen mittlerweile so oft vor, dass sich keine Socke um einen weiteren kümmert. Bis auf Palace. Nachdem er aufgrund von akutem Personalmangel frühzeitig zum Detective befördert wurde stürzt er sich nun mit ganzer Kraft auf diesen Fall.
Zugegeben, der Kriminalfall an sich ist eher mäßig spannend. Hier ist ziemlich schnell klar, wer alles Dreck am Stecken hat. Doch das Setting ist derart ungewöhnlich, dass dieses Manko zu einem guten Teil wieder ausgeglichen wird. Es wird ein Endzeitszenario präsentiert, dass aufgrund seiner realistischen Darstellung umso düsterer wirkt. Denn hier eilt kein Held herbei, der den Steinbrocken aufhält. Jeder muss für sich mit dem drohenden Ende klarkommen und sich fragen, wie es bis zum Tag X weitergehen soll. Alles hinschmeißen, und noch einmal einem Traum nachjagen? Die Tatsachen einfach verdrängen? Aufgeben? Trotzdem weitermachen?
Sicherlich hätte an eingen Stellen noch mehr aus den Figuren herausgeholt werden können, da wird zu oft nur an der Oberfläche gekratzt. Ein lesenswerter Schmöker ist das Buch trotzdem.
Band 1: Der letzte Polizist (OT: The Last Policeman)
Band 2: Countdown City
Band 3: World of Trouble
Übersetzer: Peter Robert
"Der letzte Polizist" ist zwar der erste Teil einer Trilogie, lässt sich aber auch ganz fabelhaft als Einzelbuch lesen.
In der Toilette einer MacDonalds-Filiale wird die Leiche eines Versicherungsangestellten gefunden, offenbar ein weiterer Selbstmord. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen ist Detective Henry Palace davon nicht überzeugt und beginnt, Ermittlungen anzustellen.
Problem: In sechs Monaten wird ein Asteroid die Erde zerstören. Die Gesellschaft geht rapide den Bach herunter und Selbstmorde kommen mittlerweile so oft vor, dass sich keine Socke um einen weiteren kümmert. Bis auf Palace. Nachdem er aufgrund von akutem Personalmangel frühzeitig zum Detective befördert wurde stürzt er sich nun mit ganzer Kraft auf diesen Fall.
Zugegeben, der Kriminalfall an sich ist eher mäßig spannend. Hier ist ziemlich schnell klar, wer alles Dreck am Stecken hat. Doch das Setting ist derart ungewöhnlich, dass dieses Manko zu einem guten Teil wieder ausgeglichen wird. Es wird ein Endzeitszenario präsentiert, dass aufgrund seiner realistischen Darstellung umso düsterer wirkt. Denn hier eilt kein Held herbei, der den Steinbrocken aufhält. Jeder muss für sich mit dem drohenden Ende klarkommen und sich fragen, wie es bis zum Tag X weitergehen soll. Alles hinschmeißen, und noch einmal einem Traum nachjagen? Die Tatsachen einfach verdrängen? Aufgeben? Trotzdem weitermachen?
Sicherlich hätte an eingen Stellen noch mehr aus den Figuren herausgeholt werden können, da wird zu oft nur an der Oberfläche gekratzt. Ein lesenswerter Schmöker ist das Buch trotzdem.
Montag, 20. Juli 2015
Lynn Flewelling - Shards of Time
Das war's. Der letzte Teil der Schattengilde-Bücher. Direkt am Erscheinungstag (2014) wurde es bestellt und lag seitdem unangerührt auf meinem Bücherstapel. Nicht, weil ich nicht wissen wollte, wie es mit Seregil & Co. weitergeht, sondern weil die Geschichte hier zu Ende ist. Und nur wenige Autoren schaffen es, dass ich so sehr an ihren Figuren hänge.
(Hier sollte eigentlich ein Otter-Bild hin, aber meine Zeichenversuche sind erbärmlich gescheitert - blödes Viech)
1. Das Licht in den Schatten
2. Der Gott der Dunkelheit
3. Unter dem Verrätermond
4. Shadows Return
5. The White Road
6. Casket of Souls
7. Shards of Time
Geistergeschichte gefällig? Dann seid ihr hier richtig. In diesem siebten Band geht es nach Kouros, einer Insel, auf der vor Jahrhunderten mal ein Orakel ansässig war. Jetzt steht dort bloß noch eine Ruine. Doch bei den Wiederaufbauarbeiten kommt es zu seltsamen Vorfällen. Menschen verschwinden. Und schließlich wird der Regent der Insel zusammen mit seiner Frau in einem verschlossenen, bewachten Raum ermordet. Der einzige Augenzeuge, eine zur Hilfe eilende Wache, verliert den Verstand und faselt bloß noch unverständliches Zeugs.
Klia bekommt den Auftrag, den ermordeten Regenten zu ersetzen und die Vorfälle aufzuklären, unterstützt von Thero und ihren drei Undercover-Spionen.
Dieses Buch hat wieder mal alles, was mein Fantasy-Herz höher schlagen lässt. Die Story ist gut durchdacht und spannend erzählt, mit genau der richtigen Mischung aus Dramatik, Action und Humor. Außerdem werden einige Fäden aus den Vorgängerbänden wieder aufgenommen und mit in die Handlung eingebracht. Die Bezüge zum ersten Teil runden die Gesamtgeschichte wunderbar ab.
Ganz besonders lebt diese Reihe jedoch von ihren Figuren. Allen voran wären da natürlich Seregil und Alec, die in der Öffentlichkeit als charmante aber harmlose Dandys durchgehen, während sie im Geheimen als Spione tätig sind. Sie gehören aber zum Glück nicht zu der untadeligen, seriösen und damit strunzlangweiligen Sorte, oder zu diesen 007-Alleskönnern. Man könnte eher sagen, dass sie in manchen Dingen ihren eigenen Moralvorstellungen folgen - aber irgendwer muss schließlich gewisse Jobs erledigen. --> die Katze von Rhiminee *g*.
Und auch Thero bekommt in diesem Buch jede Menge Entfaltungsspielraum. So muss der sonst so zurückhaltende Mann jetzt lernen, mit seinem Magier-Azubi umzugehen. Und der Kleine ist einfach zu niedlich.
Und damit ist diese Reihe beendet. Aber wer weiß? Das hat Flewelling damals nach dem dritten Teil auch schon mal gesagt. ;-)
Luck in the Shadows, my friends.
Sonntag, 5. Juli 2015
Susan King - Der Fluch des Highlanders
Am letzten Wochenende (26. - 28. Juni 2015) fanden in Hermannsburg die Hei(de)land Games statt. Für alle, die sich darunter nichts vorstellen können geht er hier zur Homepage: www.heideland-games.de
Mia und ich sind kurzentschlossen rübergefahren. Und natürlich erfordert eine solche Veranstaltung entsprechenden Lesestoff. Schließlich kann man anschließend im Hotel nicht irgendwas lesen, wenn man gedanklich noch ganz weit weg in Schottland ist. Und so habe ich mich für die Mystery-Lovestory "Der Fluch des Highlanders" entschieden.
Originaltitel: Waking the Princess
Übersetzung: Maria Fuks
wurde 2006 bereits unter dem Titel "Portrait der Liebe" veröffentlicht
Über der Familie MacBride liegt ein Fluch. Wann immer ein Clanoberhaupt aus Liebe heiratet, wird diese Frau frühzeitig sterben. Zugrunde liegt diesem Fluch die Legende der Dornenprinzessin, eine Geschichte aus dem sechsten Jahrhundert, über eine schöne Prinzessin, einen Druidenprinzen und ihre verbotene Liebesbeziehung.
1858 steht für Aedan MacBride daher fest, dass er nicht aus Liebe heiraten wird. Allerdings steht eine mögliche Heirat derzeit bei Aedan auch nicht gerade an oberster Stelle seiner To-do-Liste. Will er nämlich seinen Heimatsitz Dundrennan nicht verlieren, muss er laut dem Testament seines kürzlich verstorbenen Vaters allerlei Auflagen erfüllen. Und die bislang durchgeführten Renovierungsmaßnahmen haben bereits einen Großteil des Vermögnes verschlungen. Als jetzt auch noch bei Sprengungen zum Bau einer Straße alte Mauerreste zum Vorschein kommen, die möglicherweise von historischer Bedeutung sind, ist er alles andere als begeistert.
Die Altertumsforscherin Christina Blackburn ist ebenfalls wenig begeistert von der Aufgabe, die Mauerreste in Dundrennan zu untersuchen, wenn auch aus einem anderen Grund. Als 17-jährige hat sie sich von ihrem zwischenzeitlich verstorbenen Mann überreden lassen, ihm Modell für eine recht freizügige Interpretation der Dornenprinzessin zu stehen. Gegen ihren Willen wurde das Gemälde verkauft... an den derzeitigen Eigentümer von Dundrennan.
Das Buch hat mich überraschend gut unterhalten und gehört im Bereich der Regency-Love-Stories deutlich zu den besseren Exemplaren. Besonders die Auflösung bekommt einen kreativen Sonderpunkt. Natürlich gibt es einige Kitsch-Momente, aber die gehören bei dieser Art von Geschichte schließlich dazu. Ansonsten waren die Figuren jedoch durchaus interessant gezeichnet, auch die Nebenfiguren.
Nebenwirkung der Hei(de)land Games: Die Jungs von Skerryvore haben sich in meinem Autoradio breit gemacht.
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