Sonntag, 7. Februar 2016

Claire Winter - Die Schwestern von Sherwood





"Eine geheime Botschaft, eine verbotene Liebe, eine tödliche Schuld" 


Soviel verspricht der Einband und lädt damit zu einer gemütlichen Schökerrunde mit bittersüßer Liebesgeschichte und düsterem Familiengeheimnis. Perfekt zum Abtauchen und Seele baumeln lassen.

Die Geschichte wird in zwei Ebenen erzählt.

1948 bemüht sich Melinda in Berlin um eine Festanstellung als Journalistin. Als ihr anonym ein Paket mit alten Liebesbriefen und Landschaftszeichungen zugestellt wird kann sie damit zwar zunächst nichts anfangen, ist aber von den gefühlvollen Briefen an eine namenlose Frau fasziniert. Das Paket enthält jedoch noch einen weiteren Gegenstand, der eine Verbindung zu ihrer Großmutter hat. Somit sind persönliche und berufliche Neugier geweckt und Melinda versucht, das Geheimnis dieses Päckchens zu lösen und gleichzeitig mehr über ihre eigene Familie zu erfahren.

In der zweiten Erzählebene geht es um die Schwestern Cathleen und Amalia die im englischen Dartmoore aufwachsen. Dieser Handlungsstrang setzt 1881 ein, als die damals sechsjährige Amalia durch eine Erkrankung ihr Gehör verliert und begleitet die beiden bis ins Erwachsenenalter.

Schon bald führen Melindas Recherchen sie ins Dartmoore und auf die Spur von Cathleen und Amalia, der beiden Schwestern, die vor etwa 50 Jahren im Moor verunglückt sein sollen. Doch die Dörfler zeigen wenig Begeisterung dafür, dass Melinda an der alten Geschichte rührt.

Hach ja, das Buch entwickelt sehr schnell eine Sogwirkung - ich war am Wochenende praktisch am Sofa festgetackert. Es liest sich angenehm flüssig, so dass sich schon nach wenigen Zeilen das Kopfkino einstellt. Also ideal, um in der Geschichte zu versinken. Gerade zu Beginn hat das Moor eine unwiderstehlich und leicht unheimliche Wirkung, die eigene Spekulationen um das Schicksal der dort verschwundenen Schwestern geradezu herausfordert. So einen gewissen Kitschfaktor gibt es natürlich schon, der gehört aber unbedingt dazu.

Dabei muss ich sagen, dass ich wirklich beide Erzählebenen gleichwertig gut fand. Oft habe ich bei solchen Erzählstrukturen einen klaren Favoriten und warte nur darauf, dass es dort weitergeht, aber hier haben mir beide Teile gefallen und ich habe in beiden mitgefiebert.

 Cathleen und Amalia wachsen in einem reichen Haushalt auf, gehören jedoch zum großen Bedauern ihrer Mutter nicht zur Oberschicht. Durch ihre Töchter versucht diese nun, gesellschaftliche Verbindungen zu knüpfen. Die Behinderung von Amalia steht ihren Bemühungen jedoch im Wege, so dass mehr und mehr versucht wird, die beiden Schwestern zu trennen und Amalia vor der Öffentlichkeit zu verstecken.

Ein großer Teil dieser Erzählebene wird aus Amalias Sicht geschildert, die sich nicht nur mit ihrer Taubheit arrangieren muss, sondern auch mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung und der Ablehnung durch ihre Mutter. Nur das enge Band zwischen den Schwestern bleibt erhalten. ... bis Amalia ihm im Moor begegnet und zum ersten mal ein Geheimnis vor Cathleen hat.

Einfach zum Dahinschmelzen. Zum Ende hin vielleicht etwas viel Drama, aber trotzdem ein richtiges Wohlfühlbuch.


Kommentare:

  1. Ich liebe das Buch!!! Und ich habe auch das zweite Buch der Autorin verschlungen "Die verbotene Zeit"...einfach toll! Wenn du es noch nicht kennst, kann ich es dir wirklich empfehlen!
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Ein zweites Buch? ... bin mal eben weg um meinen Wunschzettel zu ergänzen *g*

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  2. Hey Meike,
    eine sehr tolle Rezension! Da muss ich mir das Buch wohl mal näher anschauen :) Bislang war es mir gänzlich unbekannt.

    Du hast jetzt übrigens eine Leserin mehr ♥ Ich würde mich natürlich sehr gern über einen Gegenbesuch freuen.

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Hi Charleen,

      schön, dass Du hierher gefunden hast. Tja, dann bin ich mal gespannt, ob das Buch nach näherer Betrachtung den Sprung in Dein Regal schafft *g*.

      LG
      Meike

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